Kroatien Tag 12

Kroatien Tag 12

Resümee eines aufsteigenden Tages

Gestern Abend war ich noch auf Fototour am Zrmanja Canyon. Was für eine Landschaft! Auf der Anfahrt dachte ich noch, „Komisch, was ist das denn hier. Das Gebirge ist ja quasi zu Ende, man sieht es links von sich liegen, wo soll denn hier ein Canyon sein?“ Dann geht es, mal wieder, eine Holperpiste entlang – ich glaube, wenn nach diesem Urlaub nicht irgendwo eine Schraube locker ist, dann stimmt was nicht. 🤣 Am Ende ein großer Schotterplatz und da ahnt man es schon … hier könnte tatsächlich ein echter Canyon sein. Zwei Wohnmobile stehen hier. Das darf doch nicht wahr sein … auf die Idee, hier zu übernachten bin ich überhaupt nicht gekommen, das wäre natürlich spektakulär. Aber ich dachte, auch das hier wäre Nationalpark und so stehen Tisch und Stuhl jetzt unten auf dem Campingplatz … Ich frage die Besatzung des Kastenwagens, ob sie hier bleiben. Und sie so: Ja, stand ja in Park4Night, also wird es schon nicht verboten sein. 😳🙈

Na egal, jetzt ist es so. Also sammle ich mein Kamerazeug und mache mich auf Erkundungstour. Was ich zu sehen bekomme ist unglaublich. Wie aus einer anderen Welt. Oder eben wie aus einem Winnetoufilm. 🤭. Ich bedauere einen Moment lang außerordentlich, dass ich allein bin und niemanden dekorativ auf jenem Felsen platzieren kann – und mache mich dann ans Fotografieren. Leider bleibt der erhoffte schöne Himmel aus und es fängt sogar an zu regnen. Aber das Erlebnis war die Anfahrt trotzdem wert! Vielleicht komme ich ja morgen noch einmal.

Die Entscheidung für den Campingplatz war also doch genau richtig, denn es regnet in Strömen. So probiere ich zum ersten Mal den Anglerschirm als Markise aus und kann auf dem Tisch darunter mir prima mein Rührei brutzeln. Sehr nett, da kommt mal so richtig Campingfeeling auf. 😁 Später noch ein Filmchen beim Wein und der Abend ist perfekt.

Genau wie der folgenden Morgen. Sehr entspannt „muddele“ ich rum und lasse mir Zeit mit Duschen, Frühstück und Kaffee. Ein bisschen lesen kann auch nicht schaden. Neben mir ein Pärchen im Kastenwagen. Wie lange seid ihr schon hier? Zwei Tage. Wart ihr schon im Canyon? Welcher Canyon? Ähm, da gleich zeige ich nach hinten. Ach ja, da ist so ein Nationalpark, oder? 😳 Na, zum Glück sind die Menschen verschieden. 😉

Das Wetter ist wieder erwarten prima, perfekt zum Wandern. Und so soll wirklich in den Paklenika Park gehen. Auch wenn der Campingplatz wirklich toll ist, packe ich mal ein. Man weiß ja nicht, was der Tag so bringt, und außer Tisch und Stuhl habe ich eh nichts zum Stehen lassen. Noch schnell getankt und Geld abgehoben, dann geht es auch schon los Richtung Nationalpark und Velka Paklenika Schlucht. Ein einfacher Weg soll hier immer hübsch am Bach entlang gehen. Das klingt doch gut. 50kn kostet der Eintritt in den Park für Auto und Mensch, dann kann man noch 2 km fahren. Damit verpasst man zwar einige hübsche Stellen am Wegesrand, aber ich will ja noch weiter hinein.

Bevor ich loslaufe, studiere ich noch einmal die Karte. Oh, da ist ja auch ein Berg in erreichbarer Nähe! Das wäre doch toll. 2,5km und knapp 800hm klingen machbar für mich untrainierten Sandsteintiroler. 🤭 Warum ich mich aber dazu entscheide, das ganze Kamerazeugs, inklusive Stativ und Filter, mitzunehmen, erschließt sich mir später nicht mehr. An den tollen Wasserfällen ist meine Nikon Z6 problemlos in der Lage auch eine Belichtung von 1/3 zu halten und somit das Wasser ausreichend weich zu zeichnen. Die Filter brauche ich gar nicht und damit auch kein Stativ. Und oben sind die Wolken so statisch, dass der Filter auch nicht lohnt. Aber egal, ich will trainieren für Höheres, da schleppe ich doch gern mal 10kg umsonst durch die Gegend 🤣

Die Schlucht ist jedenfalls wunderschön und ich komme mal wieder kaum vorwärts vor lauter gucken und knipsen. Ah, das ist ja der Abzweig zum Anica Kuk. Den nehme ich. Eine Hinweistafel mit den Kletterrouten steht am Wegesrand. Eine ganz schöne Steilwand hat das „Teil“. Noch über den Bach balanciert und dann geht es aufwärts. Bald leider nicht mehr gemächlich sondern ziemlich steil und geröllig. Naja, ich wollte es ja so, denke ich schwitzend und schnaufend. Die Natur ist jedenfalls unglaublich schön. Wilde Alpenveilchen blühen am Wegesrand und eine sehr hübsche Sorte Schnecken will hin und wieder vom Weg gerettet werden. Das Rauschen des Baches wird leiser und die Ausblicke besser. Danke, liebes Universum, für so viel Schönheit!

Allein mit meinem Schnaufen und Schwitzen steige ich hinauf. Niemand, wirklich niemand ist da. Außer ein paar Ziegen. Nach gefühlten 5 Stunden (in Wirklichkeit war es nur gut eine …) erreiche ich einen Sattel. Noch immer ragt die Wand des Anica Kuk bedrohlich neben mir auf. Es geht hinein in dichten Bewuchs auf einem schmalen Pfad. Oh, da könnte es eine Aussicht geben. Doch die Begegnung mit einer giftigen Sandviper bremst meinen Tatendrang. Ich müsste über sie steigen um weiter zu gehen … Nein, danke.

Also weiter auf dem Pfad, er soll dann von hinten her auf den Gipfel führen. Bald geht es auch wieder aufwärts, herrliche Lilien stehen hier und verleiten mich, mich ein kleines Stück zu verlaufen. Mann muss schon gut aufpassen, wo der Pfad weiter geht, er ist manchmal kaum zu sehen. Und dann stehe ich vor dem restlichen Aufstieg und denke, ich sehe nicht recht. Okay, also die Stöcke eingepackt, die Kamera verstaut, denn hier werden beide Hände gebraucht. 🙈. Nichtsahnend habe ich die Sache total unterschätzt und wäre ohne meine Erfahrung aus dem Elbsandstein sicher umgedreht. Es geht kreuz und quer über die scharkantigen Felsen stetig aufwärts. Ohne Handarbeit wird hier nix, eine richtige kleine Kletterei. Ein paar Mal versteige ich mich, weil ich die Markierung übersehe. Oft ist es nur ein schmaler kleiner Grat auf den man auf den verwitterten Felsen treten muss.

Einmal denke ich, ich lasse das lieber, wie soll ich hier je wieder runter kommen. Ich schreibe einem befreundeten Kletterer, der mich per WhatsApp ein wenig moralisch unterstützt, „Du bist der Einzige, der grade weiß, wo ich bin. Falls ich nicht wieder komme, weißt du wo ihr suchen müsst“. 🤣 Okay, das ist ein wenig übertrieben, denn ich bin schon trittfest und relativ schwindelfrei, aber geht diesen „Weg“ bitte nicht, wenn ihr beides nicht seid. Ich kämpfe mich weiter nach oben und endlich ist es geschafft. Verschwitzt, aber glücklich, genieße ich die grandiose Aussicht. Der Blick reicht weit über das Meer und die Insel und ins Velebitgebirge hinein. Das hat sich auf alle Fälle mehr als gelohnt.

Ich bin noch beim Staunen und essen, habe noch kaum fotografiert, als ein weiterer Bergsteiger den Gipfel erreicht. Tja, es ist eben immer bestens für einen gesorgt. Denn es ist ein Deutscher, und auch noch aus dem Schwabenländle. Die Sprache habe ich ja schon fast vermisst 🤭, mein verstorbener Mann war aus Stuttgart. Der nette Mensch kennt sich hier bestens aus und ist auch kletterfit und ich engagiere ihn prompt als Abstiegsguide. Er würde mich lieber über einen Klettersteig abwärts lotsen, aber das ist mir mit dem schweren Rucksack zu heiß. Also geht er mit mir den normalen Weg zurück – aber ich brauche gar keine Anleitung oder Schutz, es geht total easy. 💪

Wir gehen trotzdem gemeinsam bis zu meinem Auto, denn ich habe ihm versprochen ihn bis zum Ort mitzunehmen. Er ist doch tatsächlich zu Fuß aus Starigrad gekommen. Kurz vor dem Auto fällt mir ein, dass ich ja gar keinen Sitzplatz für ihn habe. 😬 Aber egal, das Stück kann er ja ruhig auf dem Bett sitzen 🤭.

An der Kreuzung zur Hauptstraße lade ich ihn aus, den Rest soll er lieber laufen. Ich stehe noch einen Moment und überlege. Es ist so herrliches Abendlicht … Nochmal zum Canyon hoch und dort übernachten. Vielleicht wird es sogar ein klare Nacht. Aber ich bin ziemlich fertig, ein heiße Dusche wäre auch schön. Also siegt der Campingplatz und ich genieße im Sonnenuntergang zufrieden und glücklich mein Bierchen. Was für ein schöner Tag. Der sich morgen sicher mit Muskelkater in Erinnerung bringen wird. 🤣

2 Replies to “Kroatien Tag 12”

  1. Liebe Britta,
    ich lese mit viel Freude Ihr Reisetagebuch und schaue mit großem Genuss die Bilder an. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Mut und Freude!!!
    Viele Grüße, Antje Jesiorski

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