Reiseblog Frankreich Tag 2

Reiseblog Frankreich Tag 2

Tag 2 – Die Anreise geht weiter

Ich sitze in der morgendliche sanften Sonne mit wunderschöner Aussicht und will noch kurz den gestrigen Tag zusammenfassen. Viel gibt es nicht zu sagen. Es war einer dieser Tage, die man eigentlich auch streichen könnte …

Die Nacht an der Therme war sehr ruhig, auch wenn ich nicht gut geschlafen habe. Abends kamen doch immer mal wieder Autos mit Döner essenden Leuten (oder was auch immer …) Danach war es aber absolut still. Nur der Regen trommelte aufs Blechdach. Darum bin ich zum Frühstück dann auch in eine Bäckerei. So weit, noch so gut. Dann wollte ich los und meine Route planen Richtung Lago Maggiore. Aber mein doofes Navi im Auto war nicht willig. Es hatte sich am Vortrag schon mal „aufgehangen“, aber jetzt ging es anscheinend gar nicht mehr. Immer wenn ich etwas planen wollte, kam „Karte wird geladen“ und dann nichts mehr. Das ist doof. Die ganze Reise ohne das Autonnavi. Ich habe zwar das Handy und mache da auch viel darüber. Aber die Navigation braucht viel Strom, und der ist nun mal Mangelware beim Freistehen.

Also ab ins nächstbeste Renaultautohaus. Sehr nette Leute da. Zwei Stunden und ein Navi-Reset später … geht es immer noch nicht. Gut, dann muss ich so fahren. Für mehr habe ich jetzt weder Zeit noch Lust. Es ist also gegen 11 als ich in Aalen wegfahren kann. Zwischenzeitlich habe ich auch wieder mit meiner Mutti geschrieben. Mist, es geht ihr immer schlechter und sie hat nochmal den Arzt angerufen, ob er zum Hausbesuche kommt … Ich fahre aber trotzdem erstmal los Richtung Bodensee. Davon, dass ich umdrehe geht es ihr ja auch nicht besser. 

Der Tank neigt sich Richtung Ende und ich gucke, was der Diesel in der Schweiz kostet. Oh. Also besser noch in Deutschland tanken. Daran, dass ich ja erstmal durch Österreich fahren werde und es da billiger ist, denke ich in dem Moment nicht. 😉 Also in Leutkirch nochmal schnell runter von der Autobahn und getankt. Ah, da ist ein Bäcker im Supermarkt. Gut, Zeit für 

einen Snack – und den dritten Kaffee. Mampfend im Auto sitzend – es regnet immer noch -´telefoniere ich lange mit meiner Mutti. Hm, das klingt nicht gut. Was mache ich nur … Das stresst mich doch mehr, als ich mir eingestehen möchte. Umdrehen? Fühlt sich nicht richtig an. Es ist auch gut möglich, dass ihr ihr Unterbewusstsein einen Streich spielt und die Symptome verstärkt, weil sie sich Sorgen um mich macht, wenn ich allein unterwegs bin und ja auch gerne hätte, dass ich bei ihr bin. 

Ich hätte mir so gewünscht, meine Eltern wären bereit gewesen über „Plan B“ zu reden, als es ihnen noch recht gut ging. Was ist, wenn ihr mal nicht mehr könnt? Ich kann euch nicht pflegen/betreuen. Das schaffe ich weder physisch noch psychisch. Und ich werde auch nicht wieder nach Sachsen-Anhalt ziehen. Wenn ihr in meiner Nähe wäret, wäre das etwas anderes. Aber das war ja auch nie eine Option für euch … Nun ist mein Vati im Herbst leider verstorben und meine Mutti allein in ihrem großen Haus. Und will auf keinen Fall, dass eine Betreuerin mit einzieht. Meiner Schwiegermutter hatte das damals ermöglich, in ihrem Haus zu bleiben. Viele Alternativen gibt es ja nicht … Tja, ich kenne das Thema gut von meinen Patienten, aber wenn man dann selbst drin steckt, ist es halt doch noch einmal etwas anderes. 

So ist wieder eine Stunde ins Land gegangen, als ich in Leutkirch wieder starte. Aber ich will eigentlich schon noch an den Lago heute. Mit etwas Bauchgrummeln düse ich los. Ich habe mich entschieden, nicht die Autobahn zu nehmen. Wer weiß, ob ich dieses Jahr nochmal in die Schweiz komme. Und für einmal durchfahren 40 € … ach ne. Ein Fehler, denn ich immer wieder gerne mache ;-). Aber Gott sei Dank ist das erste Stück A 14 in Österreich mittlweile Mautfrei und so geht es zügig bis Feldkirch. Wäre ich man nicht in Leutkirch tanken gegangen. Dann wäre ich um die Uhrzeit jetzt wahrscheinlich schon fast unten. 

So zuckele ich dann erstmal durch Lichtenstein. Das ist durchaus interessant für mich. Denn ich hatte früher eine sehr starke Resonanz zu der ganzen Gegend, inklusive des Alpsteins auf der rechten Seite des Rheintales mit dem Säntis. Aber es macht nichts mehr mit mir. Obwohl an vielen Straßen Erinnerungen hängen. Ich war nur ein paar Mal hier, aber es fühlte sich von Anfang an vertraut an. Aber jetzt ist es einfach nur nett. So wird es mir den ganzen Tag während des Gezuckels durch die Alpen gehen. Der Wunsch, hier zu leben scheint weg. Zumindest für diese Gegend. Es ist mir alles viel zu weiträumig, langwierig, groß. Da kann ich doch meine kleine Sächsische Schweiz wieder richtig schätzen, wo ich in einer halben Stunde auf einer grandiosen Aussicht stehe.

Siedend heiß fällt mir am Ende von Lichtenstein plötzlich ein, dass ich ja in der Schweiz nicht das Datenvolumen im Handy nutzen sollte und tunlichst auch nicht telefonieren. Pling macht es und schwupps hat sich das Handy schon in der Schweiz eingeloggt. Shit … Also wieder zurück. Ich muss nochmal mit Mutti sprechen und ihr sagen, warum ich die nächsten Stunden nicht erreichbar bin. Sie geht nicht ans Telefon. Oh oh. Nach einer Weile rufe ich meine Tante an. Ah, sie ist grad mit ihr beim Arzt. Na gut, so kann ich wenigstens Bescheid sagen. Mit ungutem Gefühl also hinein in die Schweiz. Es fühlt sich wirklich komisch an, offline zu sein. Ich glaube, ich muss das wieder öfter machen. 😉 Dafür hat sich aber wundersame Weise das Navi wieder eingekriegt und ich kann dort meine Route planen. Denn die Alpenkarte habe ich natürlich nicht mit. Nur den großen Atlas für Frankreich.

Über die Fahrt selbst gibt es dann nicht mehr viel zu berichten. Außer, dass es sich endlos zieht und nicht wirklich zu empfehlen ist, wenn man irgendwo ankommen will. Eigentlich war das ja aber auch nicht so geplant. Mit fehlen einfach die drei Stunden von heute morgen. Der Lukmanierpass ist dann landschaftlich wirklich sehr schön. Die Passhöhe selbst steckt leider total in der Wolke, aber davor und danach kann ich Hübsches ausmachen. 1930m hoch bin ich hier immerhin, bevor ich auf der anderen Seite wieder hinab rolle.

Eigentlich wollte ich ja im Tessin ins Verzasca-Tal. Aber das wird heute nix, ich muss nach Italien, damit ich wieder ins Netz kann. Abends um 8 rolle ich dann in Cannobio ein und finde auf Anhieb einen tollen Schlafplatz direkt am See. Der Parkplatz ist für Wohnmobile verboten, zum Glück habe ich keines. 😉 Noch schnell ein Bild vom Sonnenuntergang und husch ins Körbchen. Gerade rechtzeitg, bevor ein Gewitter hereinbricht. Eine wunderbar ruhige Nacht mir grandioser Aussicht liegt nun hinter mir und ich widme mich meiner Morgenhygiene. Ich mag das, so im Auto zu sitzen mit meinem Minibad da im Fenster, während um mich herum der Tag erwacht. Manchmal staunen dann die Hundegassiegeher und Jogger, wenn du frisch gestylt plötzlich hinten aus dem Auto steigst. 

Der Morgen verspricht einen schönen Tag und ich fühle mich wieder etwas entspannter. So aufzuwachen und zu frühstücken ist der Grund, warum ich reise wie ich reise. Ein Hotel ist auch schön, aber irgendwie ist man so immer näher dran, mitten drin. In der Landschaft, und im Leben. Nun ist es doch viel Text geworden. Aber ich merke, dass mir dieses Schreiben auch selbst hilft, die Tage zu reflektieren und zu verarbeiten. Also nehme ich mir die Zeit dafür, wo immer möglich.Und ich hoffe, du hast auch ein wenig Freude daran. 🙂

 

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2 Replies to “Reiseblog Frankreich Tag 2”

  1. Vielen Dank für den Bericht. Das man mal offline ist, ist heute schwer anzunehmen. Aber es geht auch. In deinem speziellen Fall bin ich aber ganz bei Dir und der Überzeugung nach Italien durchzufahren.

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